Zwischen den Jahren & Die Zehn der Kelche
Ordnung schaffen, Frieden finden und das neue Jahr bewusst empfangen
Es gibt Jahre, die beginnen laut. Und es gibt Jahre, die beginnen leise. Das chinesische Jahr, in das wir uns jetzt hineinbewegen, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Viele Menschen spüren es bereits: Das Jahr ist offiziell gestartet, und doch fühlt es sich innerlich noch nicht ganz angekommen an. Gedanken sortieren sich neu, emotionale Themen tauchen auf, alte Fragen klopfen an, ohne dass schon klare Antworten da wären. Dieses Gefühl ist kein Zufall, sondern Teil eines ganz bestimmten Übergangs.
Zwei Neujahrsanfänge und eine oft übersehene Schwellenzeit
In der chinesischen Lehre beginnt ein neues Jahr nicht an einem einzigen Punkt, sondern in zwei Schritten.
Am 4. Februar hat mit Lì Chūn das solare neue Jahr begonnen. Energetisch ist damit die neue Jahressäule aktiv, ein neues Zeitmuster wirkt, und der Frühling beginnt – auch wenn es im Außen vielleicht noch winterlich wirkt. Lì Chūn markiert den Übergang vom Yin ins Yang, vom Rückzug in die Bewegung. Es ist der strukturelle Beginn des Jahres, vergleichbar mit einem inneren Neustart auf energetischer Ebene.
Und doch fehlt vielen noch das Gefühl, wirklich im neuen Jahr angekommen zu sein. Das liegt daran, dass das lunare neue Jahr erst am 17. Februar, mit dem Neumond, beginnt. Erst hier wird das neue Jahr nicht mehr analysiert, geplant oder vorbereitet, sondern eingeladen und empfangen.
Die Zeit zwischen dem 4. und dem 16. Februar ist deshalb keine Lücke und kein Leerlauf. Sie ist eine Schwellenzeit. Eine Phase des bewussten Abschließens, des Ordnens und des inneren Ausrichtens. Im chinesischen Verständnis beginnt ein neues Jahr niemals im Chaos. Es beginnt dort, wo Raum geschaffen wurde.
Was in diesen Tagen nicht abgeschlossen wird, geht energetisch mit ins neue Jahr.
Ordnung als Akt von Respekt, außen wie innen
Diese Tage laden nicht zu großen Entscheidungen oder neuen Projekten ein. Sie laden dazu ein, aufzuräumen, im wahrsten Sinne des Wortes.
Im Außen bedeutet das:
das Zuhause bewusst zu reinigen
Müll hinauszubringen, Dinge auszusortieren, Kleiderschränke sortieren usw.
kaputte oder belastende Dinge zu reparieren oder loszulassen
offene Verpflichtungen so gut wie möglich zu klären
Nicht aus Zwang oder Perfektionismus, sondern als Zeichen von Respekt gegenüber dem Übergang.
Im Inneren geht es um etwas sehr Ähnliches. Nicht darum, alles zu verstehen oder zu lösen, sondern darum, nichts Unbewusstes mitzunehmen. Alte Themen dürfen innerlich abgeschlossen werden. Gespräche dürfen energetisch beendet werden – auch wenn sie im Außen vielleicht nie stattgefunden haben.
Frieden entsteht hier nicht durch Verdrängung, sondern durch Anerkennung.
Auch der Körper darf diesen Übergang spüren. Leichte, warme Mahlzeiten, weniger Reiz, weniger Schwere unterstützen diesen Prozess. Nicht als Diät, sondern als Geste der Entlastung – damit auch auf körperlicher Ebene Raum entsteht.
Mit dem 17. Februar verändert sich die Haltung. Ab dem lunaren Neujahr wird nicht mehr aufgeräumt, nicht mehr geschnitten, nicht mehr geklärt. Es wird empfangen. Das neue Jahr wird wie etwas Lebendiges behandelt, das ankommt und geschützt werden will.
Die Zehn der Kelche, die emotionale Qualität dieser Woche
Genau in diese Schwellenzeit fällt die Tarot-Wochenenergie der Zehn der Kelche.
Diese Karte wird oft als Bild von Glück, Harmonie und Erfüllung gelesen. Doch ihre tiefere Bedeutung liegt weniger im äußeren Glück als im inneren Frieden. Die Zehn der Kelche beschreibt keinen perfekten Zustand, sondern einen Moment der Stimmigkeit. Einen Punkt, an dem nichts mehr weggedrückt werden muss.
Es ist die Energie von: Ich bin im Reinen , mit mir, mit meinem Weg, mit dem, was war.
Diese Karte fordert nichts Neues. Sie verlangt kein Wachstum, keine Leistung, keine Optimierung. Sie lädt ein, anzukommen, emotional, innerlich, menschlich.
Und genau deshalb passt sie so präzise in diese Zeit vor dem lunaren Neujahr.
Innerer Abschluss statt neuer Ziele
Die Zehn der Kelche stellt eine leise, aber klare Frage: Wo darfst du innerlich Frieden schließen, bevor du weitergehst?
Vielleicht mit Entscheidungen, die du einmal getroffen hast. Mit Wegen, die anders verlaufen sind als erhofft. Mit Versionen von dir selbst, die heute nicht mehr passen.
Diese Karte sagt nicht: Alles ist gut. Sie sagt: Es darf gut sein, auch wenn nicht alles perfekt war.
Vieles beginnt gerade neu, die Zehn der Kelche erinnert daran, dass echter Neubeginn nicht durch Aktionismus entsteht, sondern durch innere Abrundung. Durch das bewusste Beenden dessen, was emotional noch offen ist.
Der Abend vor dem Neumond, ein stiller Übergang
Der 16. Februar ist ein besonders feiner Moment. Kein lauter Abschluss, kein Ritualmarathon. Es reicht, kurz innezuhalten. Vielleicht eine Hand auf das Herz zu legen und innerlich oder laut zu sagen: Ich schließe das alte Jahr in Frieden. Ich bin bereit, das Neue zu empfangen.
Mehr braucht es nicht.
Ein leiser, aber kraftvoller Start
Die Zehn der Kelche erinnert uns daran, dass Erfüllung nicht entsteht, wenn alles geklärt ist, sondern wenn wir aufhören, innerlich gegen das Vergangene zu kämpfen.
Diese Woche ist kein Sprint. Sie ist ein Innehalten. Ein Sortieren. Ein friedliches Abrunden.
Der Frühling beginnt nicht im Außen. Er beginnt dort, wo innerlich Frieden entsteht. Und genau dort beginnt auch das neue Jahr (dazu nächste Woche mehr…)